Eulenpost von jemandem, dessen Name nicht genannt werden darf…

Anonyme Liebesbriefe in Zeiten der Entmietungs-Cholera können ja auch schnell mal bedrohlich wirken.

Nicht so jedoch der lustig frankierte Brief, der neulich seinen Weg in die Kopenhagener Strasse 46 fand.

Glücklicherweise sprangen vor dem Lesen die Grüße des “jemand, der es wirklich nicht schlecht mit dir meint”,  ins Auge.

So konnte dann der Inhalt unbeschwert seinen Eingang in die Hirnzellen der angeschriebenen Altmieterin der Kopenhagener Strasse 46 finden.

(Zum besseren Verständnis der folgenden Zeilen den vollständigen Brief hier lesen)

  

 

Eine Antwort ist bei anonymen Briefen ja bekanntlich schwierig, deshalb seien an dieser Stelle dem unerkannt bleiben wollenden Gutmenschen diese meine Worte gewidmet:

 

“…. Uiuiuiuiui, da weiss ich ja gar nicht, wo ich anfangen soll !”

Denn die Scham über deine eigenen geschriebenen Worte wird ja grundsätzlich schon durch deine nicht vorhandene Namensnennung deutlich, immerhin !

Auch wenn du dir mit dem Adressaten “Maike” das vermeintlich schwächste oder intelligenteste Glied in der Kette gesucht hast, sprichst du ja mit dem Inhalt deines Briefes doch eine ganze Familie an, deshalb sei auch mir eine Antwort darauf gestattet !

Sehen wir einmal ganz davon ab, dass du anscheinend nicht weisst, was das Leben in einer Wohngemeinschaft bedeuten kann, so ist der Fakt, einer Mutter ein schlechtes Gewissen einzureden schon erbärmlich genug, wie wenig du jedoch von unseren Intentionen und Werten verstanden hast, wird  in fast jeder Zeile mehr als deutlich.

Sind wir denn mit unseren Äusserungen :” Es geht uns nicht ums Geld !!!”  wirklich so leicht misszuverstehen ?

Glaubst du, wir pokern die ganze Zeit, um ein paar Erdnüsse mehr vom großen Gönner zu ergattern ?

Denn mehr als Peanut´s werden doch dem abreisefreudigen Mieter nicht geboten, damit er still und kampflos sein Zuhause verlässt.

Dreissig-,Vierzig-, oder Fünfzigtausend Euro- ist deine Seele im Ausverkauf auf dem Grabbeltisch für so wenig zu haben?

Denn selbst wenn wir uns einmal kurz auf dein Niveau des reinen Materialismus begeben, glaubst du wirklich, dass  schnöde Mieter wie wir nicht in der Lage sind, einfachste Grundrechenarten auszuführen ?

( 166qm  x 4500,-€ = 747.000€   Christomann´s Verkaufserlös nur für “unsere” Wohnung )

Diese Summe erklärt dir vielleicht auch die Vehemenz, mit der um jeden Quadratmeter entmietete Wohnung gekämpft wird.

Und wieviel bleibt denn noch von den “vollen Taschen” nach Umzug, Wohnungseinrichtung, höherer neuer Miete etc. übrig ?

Sicher, alle anderen Mieter der Kopenhagener 46 sind früher oder später einen Weg gegangen, der sich von dem Unseren unterscheidet.

Die Gründe sind individuell, vielfältig und niemand wurde und wird für seine Entscheidung von uns verurteilt.

Gerade weil wir wissen, was es bedeutet, sich dieser Immobilien Verwertungsindustrie und den damit einhergehenden Repressalien in den Weg zu stellen.

Namen- und Gesichtsloses Wesen, glaubst du, dass wir in den letzten Jahren auf einer Ego Welle geritten sind, dass wir  Langeweile hatten oder weil wir sonst nix mit unserem Leben anzufangen wissen ?

Oder meinst du nicht auch, dass es in einer Gesellschaft manchmal Situationen gibt, in denen ein Mitglied derselben einfach ein Stück Verantwortung übernehmen muss, auch zum Wohle seiner Mitmenschen ?

Niemand hat sich jemals nur für “Unsere” Sache interessiert ! Denn wenn du dich umschaust dann siehst du, dass es die “Sache” von Hundertausenden Menschen ist !

Zum Kämpfen gehören zwei sagst du ? Bestenfalls kämpfen zwei gleichstarke Gegner auf neutralem Boden miteinander, um herauszufinden, wer der Bessere ist.

Ganz anders ist es allerdings bei Mietern, die ihre Wohnung nicht einfach so verlassen wollen.

Der zentralste und fragilste Punkt der menschlichen Existenz wird von einer Armee  gieriger Investoren, skrupelloser Anwälte , in Abhängigkeit stehender Lakaien und gewissenloser Erfüllungsgehilfen zum Kriegsschauplatz gemacht.

Schlafentzug, Psychoterror, physische Übergriffe, juristische Auseinandersetzungen, Drohungen, Nötigungen…., fast endlos liesse sich die Aufzählung von Schikanen gegen die Mieter fortsetzen. Das ist ein fairer “Kampf” ?

Du meinst, ein Rentner, eine Alleinerziehende Mutter, oder irgend “Jemand anderes” wird schon auf diese Misstände aufmerksam machenoder sich gegen diese Ungerechtigkeit stellen?

Du meinst, Verantwortung ist immer die Verantwortung der Anderen ?

Du meinst, wir sollten Uns vor unseren Kindern und der Welt dafür schämen, dass wir dieses Unrecht nicht einfach mit einem Schulterzucken hinnehmen und unser Gewissen mit etwas Geld beruhigen ?

Kann das, was du als falschen Stolz bezeichnest, eventuell einfach nur der aufrechte Gang von Menschen sein, die nach Wertmaßstäben leben, die dir unverständlich sind ?

Vielleicht können wir ja gerade auch deshalb aufrecht aus dem Haus Kopenhagener Strasse 46 und wieder hinein gehen, weil wir dieTaschen nicht voller Geld haben ?

Wenn DU morgens unerschrocken in den Spiegel schauen kannst, warum maskierst du dich dann in deinem Schreiben?

Wovor hast du so große Angst, dass du dich um keinen Preis zu erkennen geben willst?

Vielleicht sind deine Motive ja auch gar nicht so ehrenwert, wie du mit deiner unverständlichen Abschlussfloskel den Anschein erwecken möchtest.

Zumindest treten deine wirklichen Beweggründe nicht aus deinem Brief hervor.

 

 

Das Wohlergehen der Kinder scheint dir nach deinen Worten mehr am Herzen zu liegen als uns, verstehe ich dich richtig ?

So sei denn eingeladen in unser Zuhause (was ja in deinen Augen schon lange keines mehr ist), um dir bei einer Tasse Tee von Angesicht zu Angesicht anzuhören, was auch die beiden jüngeren Mitbewohner  Dir zu deinen Worten zu sagen haben.

 

Sollte dir dazu der Mut fehlen, auch kein Problem:- das Jugendamt und die Führsorge nehmen sicher auch anonyme Anzeigen gegen uns als schlechte Eltern auf !

 

Ansonsten sei dir die gesammelte Weisheit der grossen Philosophen dieser Welt ans Herz gelegt:

“Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten !”

Es grüßt ADDI,

der es anscheinend nicht gut mit sich meint

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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