…Halsabschneider…

Kopenhagener Halsabschneider…und schlimmere Beschimpfungen müssen sich die hochbezahlten Anwälte der in den hell-bis dunkelgrauen Zonen unseres Rechtssystems agierenden Investoren oftmals gefallen lassen.

An dieser Stelle möchte ich heute jedoch den Anwalt des Monats vorstellen, gewählt von den Mietern der Kopenhagener Strasse, den Anwalt der Christmann Brüder, Herrn Rechtsanwalt Alexander Boss !

Boss Kopenhagener 46

In den letzten Jahren ist es ihm hervorragend gelungen, seine Sympathien für die um ihre Rechte kämpfenden Mieter hinter der knallharten Fassade des Investoren Anwalts zu verstecken.

In der Stunde allergrösster Not jedoch zeigte er sein wahres Gesicht!

Denn ohne seine selbstlose Hilfe beim fehlerhaften Formulieren der Modernisierungsankündigung wäre der Prozess um die Duldung der Modernisierungsmassnahmen für die Mieter wohl verloren gewesen.

Ein Formfehler (genau ein Tag fehlte in der Modernisierungsankündigung an den notwendigen drei Monaten), genügte zur Klage Abweisung beim Landgericht Berlin Mitte.

In seiner grenzenlosen Bescheidenheit wird er sicherlich diesen Verdienst dem Kollegen Zufall in die Schuhe schieben.

Jedoch wird niemand wirklich glauben können, dass einem Anwalt der Spitzenklasse (Stundengage viele hundert Euro über dem gesetzlichen Mindestlohn), ein so simpler Rechenfehler passiert, der seinen Mandanten hundertausende von Euro kosten kann !

Auch wenn er für den entstandenen Schaden nicht direkt haftbar gemacht werden kann, wird er sich sicherlich eine klitzekleine Standpauke seines Mandanten anhören müssen.

Aber was ist denn schon das bisschen Gemecker eines Christmanns gegenüber dem glücklichen Kinderlachen der beiden Mädchen, die nun dank ihm in ihrer Wohnung verbleiben können ??!!

Erhobenen Hauptes kann er nunmehr als Anwalt im Interesse der Mieter seinen Anwalts-Kollegen gegenüber treten.

Und wenn mittlerweile sogar die Kudamm Anwälte der Investoren heimlich und auch offen die Mieter Résistance unterstützen, ist vielleicht doch noch nicht alles verloren in unserer Stadt!

Aus diesem Grund noch einmal: Chapeau für ihren Mut Herr Boss und weiter so !!

(Eventuell verloren gehende Investoren – Klienten können sie problemlos durch den Beistand widerspenstiger Mieter ausgleichen, Frau Kollegin Handwerg vermittelt sicherlich gern !)

Dankend seinen Hut vom Balkon der Kopenhagener Strasse 46 schwenkend, grüßt

Eua ADDI

Neues Deutschland zur Verhandlung am 10.04.2017

…. Erfolg für Mieter in der Kopenhagener Straße 46

Landgericht erklärt Modernisierungsankündigung für unwirksam / Drastische Mieterhöhung ist damit vom Tisch

Von Jérôme Lombard

https://www.neues-deutschland.de/img/o/152798

Zum Großteil bereits saniert: Kopenhagener Straße 46  Foto: nd/Ulli Winkler

Die beiden letzten in der Kopenhagener Straße 46 in Prenzlauer Berg verbliebenen Altmieter können aufatmen: Das Berliner Landgericht hat am Montag die für eine der Wohnungen geplanten Modernisierungsmaßnahmen für formell unwirksam erklärt. Der Grund: Der Eigentümer hatte die für Sanierungen gesetzlich vorgeschriebene dreimonatige Ankündigungsfrist um einen Tag verfehlt. »Es ist gut für uns gelaufen. Das Urteil stärkt die Rechte der Mieter«, erklärte Carola Handwerg, Anwältin der Mieter.

Den von der Immobilienfirma in der betreffenden Wohnung bereits durchgeführten Modernisierungsarbeiten fehlt mit der aktuellen Gerichtsentscheidung die rechtliche Grundlage. Die mit dem Sanierungsplan angestrebte Erhöhung der Warmmiete von 845 Euro im Monat auf 2927 Euro ist damit vom Tisch.

»Ich bin positiv überrascht. Das Urteil bringt uns unserem Anliegen, dauerhaft in unserem Zuhause zu bleiben, ein großes Stück näher«, sagte Sven Fischer nach dem Prozesstermin zufrieden. »Das Konzept der Entmietung durch angebliche energetische Sanierung ist gescheitert«, so Fischer.

Er lebt mit seiner Lebensgefährtin Maike Ahlers und seinen zwei Töchtern seit über 15 Jahren in dem Altbau in der Kopenhagener Straße. Fischer und Ahlers bewohnen zwei Wohnungen in dem Haus. Sie sind die letzten der ehemals 45 Altmieter. Die anderen waren aufgrund der stark angestiegenen Miete in den vergangenen Jahren ausgezogen.

Das Haus in bester Stadtlage wurde 2012 von der auf Altbausanierungen spezialisierten Immobilienfirma »Christmann Unternehmensgruppe« gekauft. Deren erklärtes Ziel war es, das gesamte Haus durch energetische Sanierung zu veredeln. Das bedeutete konkret: Modernisierung der bestehenden 24 Wohneinheiten mit anschließender Umwandlung in Eigentumswohnungen sowie Ausbau des Dachgeschosses.

Bis auf die beiden Wohnungen von Fischer und Ahlers sind inzwischen alle anderen Einheiten an neue Eigentümer verkauft worden. Im Internet dokumentiert Fischer den Auszug der anderen Mieter. Er spricht von »systematischer Vertreibung.«

Das Urteil des Landgerichts bestätigt seine Sicht: Da die Ankündigung formal falsch erfolgte, hatte der Eigentümer auch keine rechtliche Handhabe für die Modernisierungen in den anderen Wohnungen. Die Mieter hätten also die Mieterhöhungen damals nicht akzeptieren müssen. »Unser Beispiel zeigt: Wenn man widerständig ist und einen langen Atem hat, kann man sein Ziel als Mieter erreichen«, erklärte Fischer. Der juristische Kampf sei »extrem hart« gewesen und habe ihn viele Nerven gekostet.

Seit vier Jahren wehrt sich der rebellische Mieter schon zusammen mit seiner Familie gegen einen zwangsweisen Auszug. Insgesamt zwölf fristlose Kündigungen, ein Ordnungsgeldverfahren und drei Räumungsklagen hat er hinter sich. »Es hat sich gelohnt. Ich hoffe, wir können mit unserem Erfolg anderen Mietern in Berlin Mut machen«, sagte Fischer. An die Politik appellierte er, die Energiesparverordnung in ihrer jetzigen Form abzuschaffen. Die ermögliche es Hauseigentümern, mit dem Argument des Klimaschutzes die Mietpreise in die Höhe zu treiben. Das zu ändern, wäre allerdings Aufgabe der Bundesregierung.

Anwältin Handwerg stellt sich in den kommenden Monaten auf harte Verhandlungen mit dem Rechtsbeistand der Immobilienfirma ein. »Der Sanierungsplan und die Kostenumlegung auf die Miete müssen jetzt komplett neu verhandelt werden«, erklärte Handwerg.

Sie sei aber zuversichtlich, dass man sich einigen werde. »Eine durch die Modernisierungen anfallende Erhöhung der Miete wird tragbar bleiben«, so die Anwältin. Die »Christmann Unternehmensgruppe« dürfte kein Interesse an einer unnötigen Verzögerung haben. Ursprünglich wollte man bereits Ende 2014 alle Arbeiten im Haus abgeschlossen haben.

 

Advertisements