…Ich weiss,was du letzten und vorletzten Sommer getan hast !..

In unserer Abenteuer Serie  “Kopenhagener 46 – David gegen Goliath”, erlauben wir uns aus aktuellem Anlass heute einmal einen kleinen Rückblick in zwei Pressemitteilungen aus den Jahren 2015 und 2016.

Vorher jedoch informieren wir euch in einem Animationsfilm des Forschungsinstituts für Verdrängung über die zerstörerischen Auswirkungen von Gier auf das Hirn von Immobilien Spekulanten. Wir müssen ihnen helfen zu lernen !!

der Film läuft hier…

Es grüßt euch schon jetzt,

Eua ADDI

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29.09.2016, Artikel von Tina Kaiser, erschienen in
“Die Welt” vom 29.09.2016

„Viele hat es krank gemacht, hier noch weiter zu wohnen“

Prenzlauer Berg: Mietrebell Sven Fischer kämpft gegen die Gentrifizierung

Sven Fischer und seine Familie sind die letzten Mieter eines Mehrfamilienhauses im Prenzlauer Berg. Den Rest hat der neue Besitzer rausgeekelt. Die Geschichte eines brutalen Verdrängungskampfes.

Sven Fischer sieht aus wie ein Mann, der auf einen Kampf vorbereitet ist. Den Kopf kahl rasiert, ein enges, weißes Muskelshirt über dem tätowierten, trainierten Oberkörper, hochgekrempelte Jeans, knöchelhohe Turnschuhe, so steht der 46-Jährige am Donnerstagmorgen vor dem Amtsgericht Berlin-Mitte. „Man bekommt eine gewisse Routine, aber das Adrenalin schießt immer noch jedes Mal in den Körper“, sagt er. In wenigen Minuten wird er in Raum 2807 als Beklagter vor einer Richterin sitzen. Dieses Mal geht es um eine Klage seines Vermieters, der ihn zwingen will, eine Mieterhöhung von mehr als 220 Prozent zu akzeptieren. Es ist etwa der 80. Gerichtstermin in den vergangenen drei Jahren, schätzt Fischer. So genau weiß er es nicht mehr. Fischers Kampf begann im Jahr 2013. Damals teilten die Westberliner Immobilienentwickler Bert und Wulf Christmann ihm und seinen Nachbarn mit, dass sie die neuen Eigentümer des Mietshauses im Prenzlauer Berg seien und eine „energetische Sanierung“ planten. Es war der Auftakt für einen brutalen Verdrängungskampf, der selbst hartgesottene Mieterschützer schockiert. Mittlerweile sind Fischer und seine Familie die letzten verbliebenen Mieter in dem Gründerzeit-Mehrfamilienhaus in der Kopenhagener Straße 49. Alle anderen Mieter sind ausgezogen. „Sie haben den Psychokrieg nicht länger ausgehalten“, sagt Fischer. Hätte auch er klein beigegeben, würde heute vermutlich niemand mehr über die Kopenhagener Straße reden. Dank Fischer ist das Gebäude zum Sinnbild dafür geworden, dass das angeblich so verbraucherfreundliche Gesetz Mieter kaum schützen kann, wenn ein Eigentümer bereit ist, alle Register zu ziehen. Bevor der Häuserkampf begann, war Fischer hauptberuflich Catering-Unternehmer. Zum Arbeiten kommt er nicht mehr so viel, er ist jetzt voll allem Aktivist. Er hat einen eigenen Internet-Blog, er war bei Günther Jauch in der Sendung, bei „Mario Barth deckt auf“, er ist mit Mietern aus dem ganzen Bundesgebiet im Kontakt und hat sich schon viermal mit Bundesjustizminister Heiko Maas getroffen. Dem Minister hat er die Meinung gesagt, der müsse seine Arbeit ordentlicher machen. „Wir brauchen bessere Mieterschutzgesetze, um Leuten wie Christmann das Handwerk zu legen.“ Denn eigentlich war der Fall in der Kopenhagener Straße 46 juristisch eindeutig. Der neue Besitzer, die Christmann Golding GmbH, durfte das Haus zwar in Eigentumswohnungen aufteilen und diese einzeln verkaufen. Die Käufer hätten jedoch eine Sperrfrist von zehn Jahren gehabt, um die Mieter wegen Eigenbedarf vor die Tür zu setzen. Da für solche vermieteten Wohnungen weitaus geringere Kaufpreise bezahlt werden, wollten die Christmanns den Auszug der Mieter offenbar etwas beschleunigen. So zumindest erzählt es Fischer. Eine schriftliche Anfrage der „Welt“ beantwortet Bert Christmann nicht. Auf ihrer Webseite wirbt die Christmann Holding GmbH mit „Altbausanierungen aus Leidenschaft“. Was das in der Praxis bedeutet, hat Fischer am eigenen Leib erfahren. Kurz nach dem Verkauf des Hauses hatte Christmann eine umfangreiche Sanierung angekündigt: neue Fenster, Zentralheizung, Wärmedämmung. Gleichzeitig bot er den Mietern ihre Wohnungen zum Kauf an: für 4500 Euro pro Quadratmeter. Laut Mieterverein lag dieser Preis damals 1000 Euro über dem ortsüblichen Tarif. Ein Mieter nahm das Angebot an. Für den Rest ging der Kampf los. Zunächst habe Christmann eine Reihe fristloser Kündigungen an Mieter geschickt, erzählt Fischer. „Die Gründe waren völlig abstrus, zum Beispiel, weil wegen der Kontoumstellung vom alten auf den neuen Hausbesitzer einige Mieter einige Tage verspätet gezahlt hatten.“ Fischer selbst hat nach eigenen Angaben insgesamt zwölf fristlose Kündigungen und drei Räumungsklagen von Christmann bekommen. „Eine Räumungsklage hat Christmann vor Gericht verloren, die anderen beiden hat die Firma freiwillig zurückgezogen.“Nach der ersten Kündigungswelle sei dann die nächste Schikane-Stufe gekommen: „Unser Haus wurde ein Dreivierteljahr eingerüstet und mit Bauplane ummantelt“, sagt Fischer. Das habe rund neun Monate kein Tageslicht in den Wohnungen und keine frische Luft bedeutet. „Unter der Bauplane haben die Arbeiter eine neue Dämmung an der Hauswand angebracht. Wenn man das Fenster öffnete, war die ganze Wohnung voll Staub.“ Ein Mieter nach dem anderen gab auf. „Viele Leute hat es regelrecht krank gemacht, hier noch weiter zu wohnen.“ Fischer dagegen wurde mit jedem Vorfall kampfeslustiger. Die Gegenseite offenbar auch. Während Fischer mit seiner Familie im Sommerurlaub war, brachen Bauarbeiter von oben durch die Badezimmerdecke seiner Dachwohnung und flexten den Wasserboiler ab. Einige Tage später stellte Fischer fest, dass die Bauarbeiter auch den Schornstein herausgerissen und mit Brettern zugenagelt hatten. „Wenn ich den Ofen angemacht hätte, hätte der Rauch nicht abziehen können und wir wären erstickt.“ Fischer stellte Strafanzeige. Die Ermittlungen der Polizei gegen den Bauleiter laufen noch. Bert Christmann hatte in einem Interview vor einigen Monaten gesagt, die Baufirma habe eigenmächtig gehandelt. Rund ein Jahr konnte Fischer die Dachwohnung im Seitenflüge des Hauses nicht bewohnen. So lange brauchten die Handwerker, Strom, Wasser und Heizung wieder anzustellen. Seit März 2016 wohnt Fischer wieder in der Wohnung. Im Folgemonat schickte ihm Christmann schriftlich die Mieterhöhung. Zwei Wochen später dann die Klage, wegen der Fischer am Donnerstag vor Gericht erschienen ist. Christmann forderte Fischer in der Klage auf, der Mieterhöhung von 220 Prozent zuzustimmen. „Die haben nicht einmal gewartet, ob ich die Mieterhöhung vielleicht akzeptiere, sondern gleich die Keule ausgepackt“, sagt Fischer. Der Mietrebell hat in den vergangenen Jahren viel dazu gelernt. Zum Beispiel, dass er die erhöhte Miete erst mal unter Vorbehalt zahlen muss. Sonst würde er dem Vermieter einen Grund geben, ihm kündigen zu dürfen. Die zuständige Richterin will an diesem Donnerstagmorgen kein Urteil fällen. Sie fordert die Parteien auf, nach einer außergerichtlichen Einigung zu suchen. Andernfalls könne es ein sehr langes und teures Verfahren werden. Man sollte doch „einfach friedlich wohnen zusammen“. Fischer lächelt gequält. „Schön wär’s“, sagt er nach der Verhandlung vor der Tür. Er glaube aber nicht, dass Christmann aufgeben wird. Und er, er werde auch nicht klein beigeben. Von seiner Rechtsschutzversicherung hat er gerade das O.K. für die nächste Gegenklage bekommen.

“DIE WELT”

Der letzte Mieter lässt sich nicht gentrifizieren
Von Antje Hildebrandt | Veröffentlicht am 28.09.2015 | (Auszüge)

  …Anruf bei Jens-Holger Kircher, Pankows Baustadtrat, ein Grüner. Er sagt, es gäbe Indizien, die dafür sprächen, dass die neuen Eigentümer massiven Druck auf die Mieter ausgeübt hätten. „Wasser, das durchs Haus läuft, weil ein Bauarbeiter angeblich vergessen hat, das Wasser abzustellen, das ist schon merkwürdig.“ Ein Einbruch ins Bad? Der blanke Horror. Andererseits, sagt Kircher, werde er den Eindruck nicht los, dass es Fischer in diesem Krieg gar nicht mehr darum gehe, in dem Haus wohnen bleiben zu dürfen. ( WORUM DENN BITTE SONST ???? Anm. v. ADDI ) Kirchner kennt die Argumente der Gegenseite. Bert Christmann, 45, hat sie ihm unterbreitet, ein sonnengebräunter Feingeist in hellblauem Kaschmir, man trifft ihn in einem seiner Büros am Kudamm… Er ist ein bisschen nervös, denn es ist das erste Mal, dass er sich öffentlich zu den Vorwürfen äußert. …. Christmann sagt, der Einbruch, nein, der sei nicht in Ordnung gewesen. Er gehe aber auf das Konto der Baufirma, nicht auf seines. Es ist trotzdem ein PR-GAU, das ist ihm bewusst. …

“Und, haben Mieter und hellblaue Kaschmir-Feingeiste gemeinsam etwas gelernt ???

Lasst uns Lösungen finden und nicht Kriege führen !!”

 

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