Was heißt schon modern?

Ist es modern, Geringverdiener und Mittelschicht aus dem Stadtkern zu verdrängen?

Ist es modern, dabei mit Energieeinsparungen zu argumentieren, die sich in 50-150 Jahren rechnen werden – oder auch nicht?

Ist es modern, die Stadt mit Sondermüll voll zu kleben, den die nächste Generation entsorgen darf?

Ist es modern, wenn eine Stadt, die sich zur Metropole mausert, es zulässt, brandgefährliches Baumaterial zu verarbeiten?

Ist es modern, der Entwicklung von Städten wie Paris, Manchester, oder Barcelona nach zu eifern?

Ist es modern, die Empfehlungen der StadtsoziologInnen nicht zu berücksichtigen?

Ist es modern, funktionierende Sozialstrukturen einer Stadt zu zerstören, damit ein paar Leute sehr viel Geld verdienen?

In Berlin weht irgendwie ein Hauch von Manchesterkapitalismus. LehrerInnen werden bald täglich in die Innenstadt pendeln um die Kinder der Reichen zu unterrichten, sämtliche Dienstleister und Handwerker werden aus dem Speckgürtel anreisen, sie werden Stunden im öffentlichen Verkehr verbringen und weder das kulturelle Angebot der Stadt wahrnehmen können, noch Teil des abendlichen Treibens sein, sondern in ihr “Milljöh” zurückgehen.

 big_fishDabei ist Top-down längst passé; das erzählte mir schon im Januar die Personalchefin von IBM / USA ganz persönlich.
Bottom-up sei in der zeitgenössischen Gesellschaft angesagt und es wäre sehr modern, wenn unsere VolksvertreterInnen an einer Zukunftsvision für die innerstädtische Verteilung von Menschen mit geringem Einkommen arbeiten würden.

Gut, dass es Bürger- und Mieterbündnisse, Hausgemeinschaften und EinzelkämpferInnen gibt, die den unlauteren Handlungsweisen sämtlicher Investoren und deren gewieften AnwältInnen die Stirn bieten. Denn es handelt sich dabei nicht nur um ein paar schwarze Schafe im Immobiliensektor oder unter JuristInnen, sondern um eine ganze Heerde und ihr Handeln bedroht nicht nur ein paar Einzelschicksale, sondern die Existenzgrundlage vieler BürgerInnen.

Total unmodern eben.

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