Ruhe vor dem Sturm?

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Es scheint die Sonne scheint…

Nach dem Mediengedudel (Fernsehen, Presse und Politik – alles in unserer Remise gelagert ) passiert seit Ostern so garnix in der Kopenhagener Straße 46.
Auch die Bauarbeiten stehen still, wir gucken weiterhin auf die weisse Plane, erahnen das Wetter  und lauschen durch offene Fenster den Stimmen der Aussenwelt. Für die Hausgemeinschaft eine willkommene Verschnaufpause, der Alltag hat uns endlich wieder – wenn man mal von den vielen Gerichtsterminen zu gütlichen Vereinbarungen oder den Wohnungsbesichtigungen absieht.

Für meinen Geschmack ist das hier viel zu ruhig. Ich rechne in naher Zukunft mit einem innovativen Angriff der Christmann Unternehmensgruppe und ihrer Anwälte. Sämtliche Akteure der Stadtentwicklung werden vor neue Probleme gestellt werden – denen sie sich dann wohl auch irgendwie werden stellen müssen. Für die BewohnerInnen des Jahnke-Hauses bedeutet es eben Stress, Stress, Stress, auf den man sich irgendwie vorbereitet, indem man sich unter anderem und irgendwie auf die dollsten aller gehörten Geschichten der anderen Hausgemeinschaften gefasst macht. 

Übrigens: nach dem Auftritt einiger VertreterInnen der Hausgemeinschaft bei Günther Jauch wurden Kommentare gepostet, die uns bezichtigten “mit 5 Euro Miete pro qm jahrelang den Reibach gemacht zu haben ” und dass “sone Leute wie wir mal zu spüren bekommen sollten was ein vernünftiger Mietzins ist“.

Seufz – nochmal für Diejenigen, die meinen wir wollten ihnen ganz persönlich ans Portemonnaie und allen Vermietern Böses:

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…schnell rüber zu Annelie, auf die Südseite des Lebens …

Ja: gerne sozialverträgliche Sanierung.

Ja: eine Mieterhöhung wäre dann erforderlich.

Nein: 18 Euro der qm scheint nicht O.K. sprengt den Mietspiegel (auch mit  Videofernsprechanlage  und automatischer Lüftung)

Nein: eigentlich interessiert diese Diskussion nicht wirklich, da die Wohnungen nach der Sanierung eh verkauft werden.

 

Seit letztens befasse auch ich mich mit dem Thema Stadtentwicklung und  finde es ja schon übel genug wenn unsereins Immobilienentwicklern als Pioniere für ihre zukünftigen Geldanlagen dient, aber dass die Investoren die Trüffelschweine verklagen, weil diese sich nicht freiwillig schlachten lassen, scheint mir völlig schräg.

Ich habe auch erfahren, dass seit Jahren namhafte Experten sowohl die Politik als auch die Wirtschaft darauf hinweisen, sich mit einer sozialverträglichen Stadtentwicklung auseinander zu setzen. Sie hinterfragen was das Leben in der Stadt auszeichnet, was ein der jeweiligen Stadt gemäßer Lebensstil sein könnte. Welche spezifischen Haltungen, Institutionen und Figuren aus ihr hervorgehen, was die gelebte Eigenart der Stadt ausmacht, warum sie so ist und nicht anders.
(Stadtethnologie – Einblicke in aktuelle Forschungen von Anja Schwanhäußer)

Projekte, Initiativen und Manifeste mit aufregenden Namen wie: „Urban Infrastructure Management“, „Faktor N“  „Future Urban Industries“ “Europäische Stadt”, “Leipzig Charta” oder “Soziale Stadt” wurden ins Leben gerufen. Im Mittelpunkt müsse der Mensch stehen heisst es da immer.

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…und auf der Bank sitzend unser Zuhause betrachten. Fast unsichtbar, nicht wahr?

Von zentraler Bedeutung sei der grundlegende Paradigmenwechsel im Verständnis der Stadtentwicklung, der das Soziale in den Mittelpunkt rückt … Funktion und Zusammenhalt des „Gemeinwesens Stadt“ stehe im Zentrum des politischen Interesses.
(Bernd Hunger – Erfahrungen aus dem Bund-Länder-Programm „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Die Soziale Stadt“)

Der Schwerpunkt der Stadt- und Quartiersentwicklungspolitik müsse eher auf den Erhalt und die Produktion von Wohnen am richtigen Standort zum verträglichen Preis gelegt werden, als das Wohnen zum „falschen“, weil zu hohen Preis verhindern zu wollen.
(Hilmar von Lojewski – “Zum Verhältnis von sozialer Durchmischung, Segregation und Gentrifizierung”)

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Im Hinterhof wirds eher eng und stickig durch die Plane

Entscheidend wäre es den Wandel der deutschen Stadt so sozialverträglich wie nur irgend möglich zu steuern…die Herausforderungen seien gewaltig. Was aber tun? Die Zukunft der Städte sei das Ergebnis unseres Handelns heute – nicht nur seitens der Politik, sondern auch seitens der Wirtschaft und der Zivilgesellschaft.
(Professor Dr. Harald Bodenschatz  “Stadt hat Zukunft”)

Haben unsere Politiker all diese Informationen bekommen? Auch gelesen? Und verstanden?

Ich verlange  ja nicht die Einführung des Bruttonationalglücks, aber eine Balance zwischen sozialen Belangen, Umweltqualität und ökonomischer Entwicklung müsste doch in einem modernen Deutschland drin sein – oder?

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