Duldungsklagen

januarSeit Mitte Januar rieselt es schriftliche Vorverfahren zu baldigen Duldungsklagen, sowie Aufforderungen zur Räumung diverser Wohnungen bis zum 7.2. Erstere Schreiben kommen vom Amtsgericht Mitte und sind jeweils von verschiedenen RichterInnen unterschrieben. Bei den vielen berliner Projekten der Christmann Unternehmensgruppe, hält die Steinpilz Kanzlei wahrscheinlich einige der rund 350 RichterInnen im Gericht ganz schön auf Trab, denn allein in der Winsstraße 59 und in der Kopenhagener 46 haben sich nach den Modernisierungsankündigungen 2013 über 40 Mietparteien Rechtsbeistand besorgt.

Wäre ich Richterin, würde ich mich ja ärgern. Erst jahrelanges Studium, danach die Karriereleiter hoch – und dann diese zweckwidrige Inanspruchnahme meiner hart erarbeiteten Rechtsposition. Ich soll dutzende Duldungsanträge durchlesen, oder meine Zeit mit Klagen verlieren, die womöglich nur den Zweck haben, anderen Schaden zuzufügenUnmut käme in mir auf, würde ich als Mittel zur Schikane genutzt – spätestens wenn sich eine 80 jährige Dame mit ihrem Rollator bis in die Littenstraße bewegen müsste um die fristlose Kündigung ihres 52 Jahre alten Mietvertrags abzuwehren.

Im Kurzportrait des Landgerichts Berlin steht: 35.600 zivilrechtliche Strafverfahren werden jährlich geführt – auf ca. 250 Arbeitstage verteilt macht das ungefähr 140 Prozesse täglich. Ich hätte also womöglich Besseres zu tun als ProfiklägerInnen zu unterstützen, den BürgerInnen Berlins ihre (und meine) Lebenszeit zu stehlen. Vielleicht sollte der talentierten Anwalt erst mal einen Dialog mit der Gegenpartei suchen, bevor er mir wieder Arbeit aufbürdet – und zwar nicht erst nachdem ich sämtliche Vorverfahren schon unterschrieben habe.

RichterIn sein ist auch nicht einfach, oder?

Der Chronik einer angekündigten Entmietung folgen

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